GLOSSAR


/agender

Agender ist eine Bezeichnung, die von Menschen genutzt wird, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Agender Personen haben also kein Geschlecht oder identifizieren sich als geschlechtsneutral. Übersetzt bedeutet der Begriff „geschlechtslos“.

 


 

/binäres Geschlechtermodell / Zweigeschlechtermodell
Das binäre westliche Geschlechtermodell bzw. das Zweigeschlechtermodell beruht auf der Annahme, es gäbe ausschließlich die zwei Geschlechter „Mann“ und „Frau“ bzw. nur Männer und Frauen seien die geschlechtliche Norm. Alle anderen Geschlechtsidentitäten werden dabei nicht mitgedacht.

Auf Grundlage dieser Annahme gibt es „Männer“- und „Frauentoiletten“, „Damen“- und „Herrenmode“, „Herren“- und „Damenteams“ im Sport, die auch in eigenen „Herren“- und „Damenligen“ spielen. Das binäre Geschlechtermodell wirkt sich also auf alle gesellschaftliche Bereiche aus. Menschen, die sich außerhalb dieser Zuordnung bewegen – wie zum Beispiel inter* und/oder nicht-binäre Personen – haben keinen Zugang zu diesen klar geschlechtlich getrennten Angeboten, werden ausgeblendet und dadurch gänzlich ausgeschlossen bzw. müssen sich falsch zuordnen.

 


 

/cis / cisgeschlechtlich

Cis(geschlechtliche) Personen sind Menschen, deren Geschlechtsidentität bzw. Geschlecht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Eine cis Frau ist also eine Person, für die bei der Geburt das weibliche Geschlecht dokumentiert wurde und die sich auch als Frau identifiziert, ein cis Mann entsprechend eine Person, für die bei der Geburt das männliche Geschlecht dokumentiert wurde und die sich auch als Mann identifiziert. Der Begriff ist wichtig, da er auch dem, was gesamtgesellschaftlich in der Regel als „normal“ gesehen wird, einen Namen gibt. Es ist wichtig, nicht nur Menschen zu benennen, die sich nicht in diese Gruppe einordnen lassen (z.B. trans* Personen), sondern alle Personen, damit trans* und/oder nicht-binäre Personen nicht als „Abweichung“ beschrieben werden.



 

/Coming-out
Der Begriff „Coming-out“ (wörtlich übersetzt „Herauskommen“) hat seine Wurzeln im englischen Sprachraum. Abgekürzt aus der Redensart „coming out of the closet“ – „aus dem Schrank kommen“ ¬¬– symbolisiert der Schrank die Enge und das Eingesperrtsein in den Normen einer Gesellschaft, die Heterosexualität, Cisgeschlechtlichkeit und das binäre Geschlechtermodell als einzig mögliche Lebensweise und Identitätsform betrachtet.

Coming-out meint damit also den Schritt, die eigene sexuelle und/oder geschlechtliche Identität zu leben und sich anderen Menschen zu zeigen. Hierbei wird zwischen dem inneren und dem äußeren Coming-out unterschieden.

Das innere Coming-out beschreibt den Vorgang, sich selbst als die Person zu erkennen und anzunehmen, die man ist. Es ist das Ende eines oftmals langen Prozesses der Selbsterkenntnis. Das äußere Coming-out ist der Schritt, sich gegenüber anderen Menschen als die Person zu zeigen, die man ist. Oft ist dieses Coming-out mehrschrittig. Meist öffnen sich Menschen zunächst sehr nahen Personen wie der Familie oder engen Freund*innen und dann nach und nach auch anderen Menschen. Für die meisten lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und weiteren Menschen, die nicht den beschriebenen gesellschaftlichen Normen entsprechen, ist es ein großer Schritt, sich den Eltern, dem Freund*innen-Kreis oder dem kollegialen Umfeld mitzuteilen – eine Entscheidung, die oft Mut erfordert. Es gibt viele Gründe, aus denen sich Menschen nicht outen.


 

/Deadname / alter Name
Als „Deadname“ bezeichnet man im englischen Sprachraum den Namen, den eine Person in der Regel mit der Geburt erhalten und mit der Transition abgelegt hat. Im Deutschen gibt es hierfür keine spezielle Bezeichnung und es wird neben „Deadname“ einfach „alter Name“ gesagt. Nicht alle trans* Menschen ändern ihre Vornamen.

Viele trans* Personen möchten nicht, dass ihr alter Name genannt wird und es ist von großer Bedeutung, dies zu respektieren. Mit dem alten Namen können eine Menge an Emotionen, Verletzungen und Traumata verbunden sein. Zudem bezeichnet der alte Name möglicherweise eine Person, die es so nie wirklich gab.

Die Nutzung des „Deadnames“ in Anwesenheit anderer Leute, die den alten Namen nicht kennen, kann auch als Outing bezeichnet werden.

 


 

/endo(geschlechtlich)
Endo(geschlechtliche) Menschen haben Körper, die von der Medizin in die Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ eingeordnet werden. Es handelt sich also um Menschen, die nicht inter* sind. Eine weitere Bezeichnung ist dyadisch.

 


 

/FTM / F2M

„FTM“ bzw. „F2M“ bedeutet „Female to Male“ und ist damit die englischsprachige Variante von „FzM“.


Statt „trans* Mann“ wurde früher häufig der Begriff „FzM“ (Frau-zu-Mann) verwendet. Auch heute wird er teilweise noch benutzt. Er steht allerdings in der Kritik, weil er vermittelt, dass die Person früher tatsächlich eine Frau war und somit ein „Geschlechterwechsel“ stattgefunden hat, den es jedoch so nie gab. Vielmehr wurde dieser Person bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale ein falsches Geschlecht zugeschrieben und ihr tatsächliches Geschlecht war in der Außenwahrnehmung vor dem Coming-out für andere Menschen nicht sichtbar. Im Gegensatz dazu bezeichnet beispielsweise der Begriff „trans* Mann“ das tatsächliche Geschlecht.

Die Begriffe „FTM“, „F2M“ und „FzM“ sind veraltet und sollten von cis Personen nicht mehr genutzt werden. Dennoch verwenden ihn einige trans* Personen noch als Selbstbezeichnung, die respektiert werden sollte.

 



 /genderfluid

„Genderfluid“ bedeutet, dass die Geschlechtsidentität einer Person zwischen verschiedenen Geschlechtern wechselt. Das kann bedeuten, dass eine Person sich manchmal eher männlich, manchmal eher weiblich und manchmal nicht-binär oder aber ganz anders fühlt. Der Begriff soll verdeutlichen, dass Geschlecht nicht starr festgelegt ist sondern sich immer wandeln kann.

 


 

/genderqueer

Manche Menschen, die sich nicht mit dem binären Geschlechtersystem identifizieren, nutzen den Begriff „genderqueer“. Es gibt genderqueere Menschen, die ihr Geschlecht als zwischen weiblich oder männlich, gleichzeitig weiblich und männlich, wechselnd oder ganz unabhängig von Weiblichkeit und Männlichkeit wahrnehmen.

 


 

/Gender-Sternchen

Das Gender-Sternchen * (auch Gender Star genannt) wird ebenso wie der Unterstrich _ (auch Gender Gap genannt) als Platzhalter für alle Geschlechter neben „weiblich“ und „männlich“ verwendet. Im Gegensatz zum Gender Gap soll das Sternchen den Fokus noch deutlicher auf die Vielzahl an Identitäten legen, die es zu berücksichtigen gilt.


Es adressiert so unter anderem auch nicht-binäre Personen und weist auf die Vielfalt der Geschlechter hin.

Ausgesprochen wird das Gender-Sternchen wie der Gender Gap durch eine hörbare, kurze Pause zwischen den vom Stern getrennten Wortteilen. Beispiele zur Verwendung sind „Sportler*in“ und „Schüler*innen“.

 


 

/ geschlechtliche Identität

Das innere Wissen und/oder Gefühl, weiblich, männlich, trans*, inter*, zwischen den Geschlechtern, jenseits der Geschlechter, weder-noch usw. zu sein – das ist die geschlechtliche Identität.


Die Geschlechtsidentität ist komplett unabhängig vom Körper. Cis Personen gehen häufig davon aus, dass beides automatisch zusammengehört (zum Beispiel, dass ein Mensch mit einem Körper, der von seinem Umfeld als „männlich“ eingeordnet wird, auch ein Mann ist). Dies ist jedoch nicht der Fall.

Im Juni 2011 verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat eine Resolution, wonach niemand wegen der eigenen Geschlechtsidentität (gender identity) verfolgt und diskriminiert werden darf.

 


 

/ geschlechtliche Vielfalt

Dieser Begriff beschreibt die Vielfalt, die über das etablierte Zweigeschlechtersystem hinaus existiert. Darunter fallen jegliche Formen der selbstbestimmten geschlechtlichen Zuordnung, also beispielsweise trans* Frauen, cis Frauen, trans* Männer, cis Männer, nicht-binäre Personen, genderqueere Menschen, genderfluide Menschen, inter* Menschen und viele mehr.

 


 

/Geschlechtsangleichung / geschlechtsangleichende Operation

Als „Geschlechtsangleichung“ oder „geschlechtsangleichende Operation“ (gaOP) bezeichnet man einen medizinischen Eingriff, der den Körper optisch und in gewissem Umfang auch funktional dem Geschlecht angleicht, welches die Person im Sinne ihrer geschlechtlichen Identität hat. Zu möglichen operativen geschlechtsangleichenden Maßnahmen gehören die Angleichung des primären Geschlechtsorgans (Vagina, Penis), die Mastektomie (Brustabnahme), der Brustaufbau, die Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) und die Gesichtsfeminisierung.


Der umgangssprachliche Begriff „Geschlechtsumwandlung“ ist irreführend und falsch und sollte daher nicht verwendet werden, da die trans* Person auch vor dem Eingriff das Geschlecht hatte, zu welchem hin sie sich nun körperlich angleichen lässt.

Nicht jede trans* Person entscheidet sich für geschlechtsangleichende Eingriffe. Die Entscheidung dafür oder dagegen liegt immer bei der Person selbst und jede Art der Entscheidung ist legitim und zu respektieren.

 


 

/Hormontherapie / Hormonersatztherapie / HET / HRT

Im Rahmen einer Hormontherapie wird das Hormon Östrogen oder das Hormon Testosteron eingenommen, um eine Veränderung des Körpers zu erreichen, beispielsweise ein Brustwachstum oder Stimmbruch und Bartwuchs. Teilweise werden zusätzlich Mittel verabreicht, welche die Produktion des körpereigenen Hormons verringern.

 


 

/ inter* / Intergeschlechtlichkeit
Der Begriff „inter*“ bezeichnet Menschen, deren angeborene genetische, hormonelle oder sonstige körperliche Geschlechtsmerkmale weder ausschließlich „männlich“ noch ausschließlich „weiblich“ sind.

Die Merkmale können gleichzeitig typisch für diese beiden binären Geschlechter oder nicht typisch für eines von diesen Geschlechtern sein. Das kann sich in den sekundären Geschlechtsmerkmalen (z.B. Muskelmasse, Haarverteilung, Brüste und Statur) zeigen, in den primären Geschlechtsorganen (Fortpflanzungsorgane und Genitalien) und/oder in chromosomalen Strukturen und Hormonen.

Sehr problematisch ist, dass inter* Menschen nach wie vor pathologisiert werden, das heißt, sie gelten fälschlich als „krank“, obwohl sie das nicht sind. Diese falsche Annahme lässt sich auf das binäre Geschlechtermodell und eine darauf beruhende Geschichte der Pathologisierung zurückführen.

Immer noch werden an inter* Menschen Eingriffe ohne ihre Einwilligung durchgeführt, insbesondere die Verabreichung von Hormonen oder auch Operationen. Diese erfolgen oftmals im Kindesalter, bevor die Person sich selbst dazu äußern und frei entscheiden kann. Eine medizinische Notwendigkeit für diese Eingriffe besteht in der Regel nicht, denn inter* Personen sind grundsätzlich völlig gesund. Sie können allerdings später schwer an den psychischen und physischen Folgen der ärztlichen Eingriffe leiden.

Die Bezeichnung „intersexuell“ wird heute noch von vielen intergeschlechtlichen Menschen als (neutrale) Selbstbezeichnung verwendet. Andere lehnen den Begriff allerdings ab, weil sie sich durch ihn pathologisiert fühlen. Ebenso kann durch das Suffix „sexualität“ im Deutschen das Missverständnis entstehen, dass es sich wie beispielsweise bei Homo- oder Bisexualität um eine sexuelle Identität handeln würde. Deswegen werden oft lieber die Begriffe „inter*“, „Intergeschlechtlichkeit“ oder „Zwischengeschlechtlichkeit“ verwendet. Als Person, die nicht selbst inter* ist, sollte die Bezeichnung also vermieden und stattdessen lieber der Begriff „inter*“ genutzt werden.

 


 

/Intersektionalität

Der Begriff Intersektionalität leitet sich vom englischen Begriff „intersection“ (dt. „Straßenkreuzung“) ab und beschreibt, dass verschiedene Formen der Diskriminierung gleichzeitig vorhanden sein können, zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.


Dabei kann man Diskriminierungsformen (wie zum Beispiel Trans*feindlichkeit, Rassismus, Islamfeindlichkeit, Ableismus) nicht einfach „aufsummieren“, denn es handelt sich um eigenständige Diskriminierungsformen. Diskriminierungen können sich sehr unterschiedlich äußern und auswirken und es ist wichtig zu verstehen, dass und wie sie zusammenwirken.

Der Begriff Intersektionalität hat seinen Ursprung in der Schwarzen Frauenbewegung und wurde von der Schwarzen Rechtswissenschaftlerin Kimberley Crenshaw geprägt.

 


 

/LSBTIQ*

Diese Buchstabenkombination steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans*, Inter* und Queer und fasst somit sexuelle und geschlechtliche Identitäten zusammen, die nicht der derzeitigen gesellschaftlichen heterosexuellen, cisgeschlechtlichen Norm entsprechen. Neben LSBTIQ* werden auch andere Varianten wie LSBTTIQ, LSBTIQA o.ä. verwendet. Dies hat den Grund, dass unterschiedliche Menschen Begriffe und Bezeichnungen unterschiedlich definieren oder weitere Identitäten explizit miteinschließen möchten.


Oft wird auch „queer“ als Sammelbegriff für die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt jenseits der vorherrschenden Norm verwendet.

 


 

/Mehrfachdiskriminierung / mehrdimensionale Diskriminierung

Mehrfachdiskriminierung bedeutet, dass eine Person von mehreren verschiedenen Formen der Diskriminierung gleichzeitig betroffen sein kann. Beispiele für Diskriminierungsformen sind Trans*feindlichkeit, Nichtbinärfeindlichkeit, Rassismus, Klassismus, Ableismus oder Sexismus, aber es gibt noch viele weitere. Manche Menschen erleben Diskriminierungen oder Anfeindungen, die aus unterschiedlichen miteinander verwobenen Formen der Diskriminierung bestehen und die sich wiederum gegenseitig beeinflussen und verstärken können.

 


 

/Misgendern / Misgendering
Misgendern bedeutet, dass eine Person von anderen Menschen einem falschen Geschlecht zugeordnet wird, zum Beispiel indem sie mit falschen Pronomen angesprochen oder für sie eine falsche Anrede benutzt wird. Misgendering kann unabsichtlich oder absichtlich passieren. Insbesondere wenn es bewusst passiert, stellt es eine Form der Gewalt dar und kann für die betroffene Person sehr verletzend sein.

 


 

/MTF / M2F  

„MTF“ bzw. „M2F“ bedeutet „Male to Female“ und ist damit die englischsprachige Variante von MzF.


Statt „trans* Frau“ wurde früher häufig der Begriff „MzF“ (Mann-zu-Frau) verwendet. Auch heute wird er teilweise noch benutzt. Er steht allerdings in der Kritik, weil er vermittelt, dass die Person früher tatsächlich ein Mann war und somit ein „Geschlechterwechsel“ stattgefunden hat, den es so jedoch nie gab. Vielmehr wurde dieser Person bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale ein falsches Geschlecht zugeschrieben und ihr tatsächliches Geschlecht war in der Außenwahrnehmung vor dem Coming-out für andere Menschen nicht sichtbar. Im Gegensatz dazu bezeichnet beispielsweise der Begriff „trans* Frau“ das tatsächliche Geschlecht.

Die Begriffe „MTF“, „M2F“ und „MzF“ sind veraltet und sollten von cis Personen nicht mehr genutzt werden. Dennoch verwenden ihn einige trans* Personen noch als Selbstbezeichnung, die respektiert werden sollte.



 

/MzF / FzM

Statt „trans* Frau“ oder „trans* Mann“ wurden früher häufig die Begriffe „MzF“ (Mann-zu-Frau) und „FzM“ (Frau-zu-Mann) verwendet. Auch heute werden sie teilweise noch benutzt.


Sie stehen allerdings in der Kritik, weil sie vermitteln, dass die Personen vorher auch tatsächlich ein Mann bzw. eine Frau waren und somit ein „Geschlechterwechsel“ stattgefunden hat, den es so jedoch nie gab. Vielmehr wurde dieser Person bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale ein falsches Geschlecht zugeschrieben und ihr tatsächliches Geschlecht war in der Außenwahrnehmung vor dem Coming-out für andere Menschen nicht sichtbar. Im Gegensatz dazu bezeichnet beispielsweise der Begriff „trans* Frau“ das tatsächliche Geschlecht.


Die Begriffe „MzF“ und „FzM“ sind veraltet und sollten von cis Personen nicht mehr genutzt werden. Dennoch verwenden ihn einige trans* Personen noch als Selbstbezeichnung, die respektiert werden sollte.

 


 

/Neopronomen
Pronomen sind Wörter, die in einem Satz anstelle eines Namens genutzt werden können und den Bezug zu einer bestimmten Person herstellen. Im Gegensatz zu den Pronomen „er“, „sein“ etc. und „sie“, „ihr“, etc. verweisen Neopronomen nicht auf ein binäres Geschlecht. Es sind also Pronomen, die geschlechtsneutral genutzt werden können und eine Alternative zu „sie“ und „er“ bieten. Beispiele hierfür sind „xier“, „hen“ oder auch das englische „they“. Es gibt noch viele weitere Neopronomen. Neopronomen können von Frauen, Männern, nicht-binären Menschen, inter* Menschen und allen anderen genutzt werden.

 


 

/nicht-binär
Nicht-binäre Menschen haben ein Geschlecht, welches sich nicht in das binäre Geschlechtermodell einordnen lässt, da sie gar nicht, nicht ganz oder nicht immer „männlich“ oder „weiblich“ sind.

Oft werden auch der englische Begriff „nonbinary“ und das Substantiv Enby verwendet. Nicht-binär ist ein Überbegriff für verschiedene Geschlechter. Manche nicht-binäre Menschen haben ein Geschlecht „zwischen männlich und weiblich“, manche verorten sich völlig unabhängig von diesem Zweiersystem und manche erleben ihr Geschlecht als fließend (genderfluid), d.h. nicht dauerhaft festgelegt.

Die Geschlechtsidentität bzw. das Geschlecht ist wie bei allen anderen Menschen unabhängig davon, wie der Körper der Person aussieht, welcher Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde steht oder welche(n) Vornamen die Person hat. Viele nicht-binäre Menschen bezeichnen sich als trans*; dies trifft jedoch nicht auf alle zu.

 


 

/Outing

Im Gegensatz zum Coming-out, bei dem Menschen selbstbestimmt darüber entscheiden, wann sie „herauskommen“ und gegenüber wem, ist das „Outing“ fremdbestimmt. Hierbei sind es andere Personen, die öffentlich äußern, dass eine Person beispielsweise schwul, lesbisch, bisexuell, trans* oder inter* ist, und das ohne die Zustimmung dieser Person.


Ein Outing kann auch lange nach dem eigenen Coming-out erfolgen. Zum Beispiel kann ein trans* Mann ein Passing haben, aufgrund dessen er im alltäglichen Leben nicht als trans* wahrgenommen wird. Da er nicht darüber spricht, wissen seine neuen Bekanntschaften und Freund*innen nicht, dass er trans* ist und es kann sein, dass er nicht möchte, dass er als trans* gesehen wird. Wird nun von einer langjährigen Bekanntschaft vor seinem neuen Umfeld erwähnt, dass er trans* ist, ist dies ein Outing.


Ein Fremd- oder Zwangsouting stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar. Der Person wird die Chance genommen, selbst zu entscheiden, ob und wie sie sich outen möchte. Ein fremdbestimmtes Outing kann schwere Folgen für die geoutete Person nach sich ziehen und ist als eine Form der Gewalt zu betrachten.

 


 

/Passing
„Passing“ bedeutet, als das Geschlecht wahrgenommen zu werden, das der eigenen Identität entspricht. Dies kann für trans* Menschen eine große Bedeutung haben, sowohl für ihr Selbstbewusstsein als auch für ihre Sicherheit, da ein Passing sie in bestimmten Situationen gegebenenfalls vor transfeindlicher Gewalt schützen kann. Für Personen außerhalb des binären Geschlechtermodells ist Passing meist allerdings keine Option.

 


 

/Pronomen

Pronomen sind Wörter, die in einem Satz anstelle eines Namens genutzt werden können und den Bezug zu einer bestimmten Person herstellen. Es gibt viele verschiedene Pronomen, wie zum Beispiel „sie“, „er“, „hen“ oder „xier“. Man kann anhand des Aussehens einer Person nicht erkennen, welche Pronomen sie benutzt, daher ist es wichtig, immer nach den bevorzugten Pronomen zu fragen. Außerdem kann in Vorstellungsrunden etabliert werden sich mit dem Vor- und gegebenenfalls Nachnamen und dem oder den verwendeten Pronomen vorzustellen.

 


 

/Regenbogenfamilie

Eine Regenbogenfamilie ist eine Familie, in der mindestens ein Elternteil nicht heterosexuell und/oder nicht cis(geschlechtlich) ist oder die Familienkonstellation auf irgendeine andere Weise von der „klassischen“ Kleinfamilie abweicht. Regenbogenfamilien selbst sind sehr vielfältig und reichen von Familien mit zwei gleichgeschlechtlichen Elternteilen oder Eltern unterschiedlicher Geschlechtsidentität bis hin zu Mehrelternfamilien, verschiedenen Modellen der Co-Elternschaft und alleinerziehenden Eltern. Es gibt Regenbogenfamilien mit leiblichen Kindern, Adoptivkindern und/oder Pflegekindern und auch die Kinder selbst können unterschiedliche Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen haben.

 


 

/Stealth / Deep Stealth
Wenn in einem Umfeld von einer trans* Person niemand weiß, dass sie transitioniert hat und es die Person dort auch nicht selbst thematisiert, sagt man, dass diese Person dort „stealth“, also „unerkannt“ lebt.

Wenn jemand wiederum „deep stealth“ lebt, dann bedeutet dies, dass diese Person nach beendeter Transition ihr bisheriges Umfeld hinter sich lässt, manchmal sogar jeglichen Kontakt dahin abbricht und in eine neue Umgebung wechselt. Dort weiß niemand, dass diese Person einmal eine Transition durchlaufen hat. Sie wird von allen als cis Person wahrgenommen und sie möchte vermeiden, dass irgendjemand erfährt, dass sie trans* ist bzw. eine trans* Vergangenheit hat.

 


 

/ trans* / trans*geschlechtlich

Trans* Menschen haben ein anderes Geschlecht als das, das ihnen bei der Geburt von anderen Personen zugeschrieben wurde.


Unter den Begriff „trans*“ fasst das NGVT* NRW alle Formen der geschlechtlichen Vielfalt, die nicht cis sind. „Trans*“ ist damit in dieser Verwendung ein Sammelbegriff für Menschen, die sich selbst als trans* bezeichnen, also trans* sind.


Da es innerhalb der jeweiligen Communities viele unterschiedliche Identitäten gibt, gibt es auch keine einheitliche Verwendung von Begriffen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Selbstbezeichnung von Menschen zu achten. Wenn also ein Mensch beispielsweise transsexuell ist und sich auch so bezeichnet, ist es nur respektvoll, auch genau diese Bezeichnung und keine andere zu benutzen, wenn mit dieser Person oder über sie gesprochen oder geschrieben wird. „Trans*“ wird entsprechend verwendet, wenn die Selbstbezeichnung einer Person „trans*“ ist oder wenn die Selbstbezeichnung der trans* Person nicht bekannt ist.


Wird „trans*“ zur Beschreibung einer Person verwendet, schreibt das NGVT* NRW das Wort getrennt von der Person und klein. Bei der häufig verwendeten zusammengeschriebenen Schreibweise kann der Eindruck entstehen, dass beispielsweise ein „Transmann“ etwas anderes wäre als ein „Mann“. Aus diesem Grunde verwendet das Netzwerk in diesem Falle trans* als ein Adjektiv, das die Person genauer beschreibt (s. trans* Mann / trans* Junge sowie trans* Frau / trans* Mädchen). Damit wird unterstrichen, dass trans* Männer Männer und dass trans* Frauen Frauen sind.


Wen Menschen lieben und/oder begehren ist unabhängig von der eigenen geschlechtlichen Zuordnung. Trans* Menschen können somit alle Varianten der sexuellen Orientierung bzw. Identität haben – sie können beispielsweise hetero-, homo-, bi-, pan- oder asexuell sein.

 



/ trans* Frau / trans* Mädchen

Als trans* Mädchen bzw. trans* Frau bezeichnet man eine Person, der bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeschrieben wurde, der aber bewusst ist, dass sie eigentlich weiblich ist.



/ trans* Mann / trans* Junge

Als trans* Jungen bzw. trans* Mann bezeichnet man eine Person, der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeschrieben wurde, der aber bewusst ist, dass sie eigentlich männlich ist.



/ Trans*feindlichkeit

Der Begriff „Trans*feindlichkeit“ bezeichnet Vorurteile, negative Einstellungen, Stigmatisierung, Abwertung, Verleugnung, Unsichtbarmachung, Befürwortung von Diskriminierung, Diskriminierung und Gewalt gegenüber (binären und nicht-binären) trans* Menschen bzw. Transgeschlechtlichkeit. Auch die Annahme, cis Menschen seien die Norm und trans* Menschen eine Abweichung davon (Cisnormativität) ist transfeindlich. Alltägliche, institutionelle und strukturelle Diskriminierungen von nicht-binären Menschen werden auch unter dem Begriff „Nichtbinärfeindlichkeit“ zusammengefasst.


Im Gegensatz zum häufig verwendeten Begriff „Transphobie“ weckt „Transfeindlichkeit“ nicht die unzutreffende Assoziation, ein zentrales Merkmal dieser Diskriminierung sei eine so genannte Angststörung. Daher ist der Begriff Trans*feindlichkeit zu bevorzugen.


Trans* Menschen sind weltweit vermehrt Gewalt ausgesetzt. Das Projekt „Trans Respect versus Transphobia“ führt Statistiken zu Gewalttaten und Morden an trans* Menschen sowie zur sozialen und rechtlichen Situation in verschiedenen Ländern und macht diese u.a. auf Landkarten sichtbar: https://www.transrespect.org.



/Transsexuellengesetz / TSG
Das Transsexuellengesetz – auch TSG genannt – ist 1981 auf Grundlage eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes verabschiedet worden, um trans* Personen die gesetzliche Möglichkeit zu geben, ihren Vornamen sowie ihren Geschlechtseintrag offiziell anpassen zu können. Neben den beiden Paragraphen, die sich mit der Änderung des Namens und des Geschlechtseintrags befassen, beinhaltet das Gesetz zusätzlich mit dem Offenbarungsverbot die (wenn auch „zahnlose“) Regelung, dass es auf Wunsch der Person keine Möglichkeit geben darf, Rückschlüsse darauf zu ziehen, dass die Person einmal anders hieß und ein anderes Geschlecht für sie dokumentiert war.


Dies bedeutet, die durch das TSG erfolgten Änderungen haben nicht nur Einfluss auf neu ausgestellte Dokumente, wie einen neuen Reisepass, Personalausweis oder Führerschein, sondern ermöglichen auch die Änderung aller Einträge bis hin zur Geburtsurkunde. Auch Abschlusszeugnisse, Arbeitszeugnisse und andere Dokumente können mit Hinweis auf das Offenbarungsverbot angepasst werden, so dass auch bei Bewerbungen keine Verwirrung entsteht, wenn der Name der Person nicht mit den Namen auf dem Zeugnis übereinstimmt.


Seit es das Gesetz gibt, wurde es mehrfach aufgrund von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts geändert, da das Gericht mehrere Elemente als verfassungswidrig erklärt hatte. So gilt heutzutage für die Anwendung des Gesetzes nicht mehr die Altersgrenze von 25 Jahren, Ehen, die vorher bestanden, müssen nicht mehr geschieden werden und die Anrede muss bereits nach der Vornamensänderung dem richtigen Geschlecht entsprechen. Darüber hinaus waren bis Anfang 2011 eine operative Geschlechtsangleichung und der Nachweis der Unfruchtbarkeit zwingende Voraussetzung für die Personenstandsänderung.


Das TSG wird weiterhin scharf kritisiert, unter anderem, da es obligatorische Begutachtungen durch Sachverständige vorschreibt und trans* Personen dabei ein extrem langwierigen, teils demütigendes und grenzüberschreitendes Verfahren durchstehen müssen. Zudem müssen die entstehenden Kosten ohne Prozesskostenhilfe selbst getragen werden, was eine hohe finanzielle Belastung bedeutet.



/Zwangsouting
Wenn eine Person auf Grund von äußeren Umständen in eine Situation kommt, in der sie offenlegen muss, dass sie trans* ist, wird dies „Zwangsouting“ genannt. Gerade während der Transition kommt dies häufig vor. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn eine EC-Karte auf den alten Namen ausgestellt ist und so die Person beim Bezahlen immer wieder dadurch geoutet wird, oder wenn die Krankenkassenkarte, der Personalausweis oder der Führerschein auf den alten Namen laufen und die Person gezwungen ist, diese Dokumente vorzulegen. Bei Personen, die beispielsweise ihren Vornamen nicht offiziell ändern lassen, hören diese Situationen nie auf.


Ein Zwangsouting kann auch noch lange nach einer Änderung des Geschlechtseintrags und/oder des Vornamens erfolgen. Wenn man ein Kind bekommt, wird beispielsweise zurzeit ein gebärender trans* Mann als Mutter mit dem alten Namen in der Geburtsurkunde eingetragen. Diese Situationen können für die betreffenden Personen enorm belastend sein und sie im schlimmsten Fall sogar in potentiell gefährliche Situationen bringen. Zudem können Zwangsoutings psychische Folgen nach sich ziehen.





E-Mail
Instagram