Trans Day of Remembrance 2020

Jährlich wird am 20. November, dem Tag der Ermordung der Schwarzen trans* Frau Rita Hester in Massachusetts im Jahr 1998, der Trans Day of Remembrance (TDoR) begangen, um den zahlreichen aus trans*feindlichen Motiven ermordeten Menschen zu gedenken und sich als Trans*-Community gegenseitig zu stärken. Wir möchten an die Menschen erinnern, die Opfer von transfeindlicher Gewalt wurden und gleichzeitig den Blick nach vorne richten. Zusammen mit cis Unterstützer*innen arbeiten und kämpfen wir für geschlechtliche Selbstbestimmung, für die selbstverständliche Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt und dafür, dass alle trans* Menschen sich und das Leben feiern können, ohne um ihre Sicherheit fürchten zu müssen. Wir wünschen allen trans* Menschen für den heutigen Tag Kraft und Zugang zu Räumen für Gedenken, gegenseitige Stärkung und empowernde Erfahrungen, zum Beispiel im Rahmen von (Online-)Veranstaltungen zum TDoR (einige haben wir hier zusammengestellt: https://ngvt.nrw/online-veranstaltungen-und-aktionen-zum-tdor-2020/).

Warum ein Gedenk- und Empowermenttag?

Weltweit geschehen täglich Hassverbrechen gegen trans* und gender-non-konforme Menschen. Informationen zu dokumentierten Morden an trans* Menschen werden vom Trans Murder Monitoring im Rahmen des Projekts Transrespect versus Transphobia Worldwide zusammengetragen, bei einer vermutlich sehr hohen Dunkelziffer. Auf der folgenden Seite findet ihr die Dokumentation für 2020: https://transrespect.org/en/tmm-update-tdor-2020/

Die meisten transfeindlichen Hassverbrechen werden nicht angezeigt oder nicht als solche dokumentiert, und wenn es doch zu einer Anzeige kommt, kommen die Täter(*innen) meist straffrei davon. 

In besonders großer Gefahr sind trans* Menschen, die von mehrdimensionalen Diskriminierungen betroffen sind, so neben Trans*- und/oder Nichtbinärfeindlichkeit beispielsweise auch von Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus und/oder Diskriminierungen von Sexarbeiter*innen. Die meisten trans* Menschen, die ermordet werden, sind trans* Frauen of colour und Schwarze trans* Frauen. Gerade trans* Frauen werden aber häufig von Frauenhäusern und anderen Unterstützungsangeboten für von Gewalt betroffene Frauen ausgeschlossen. 

In Deutschland sind Diskriminierungen gegenüber trans* Menschen noch immer gesetzlich und institutionell verankert – durch Pathologisierung und Bevormundung z.B. beim Zugang zu transspezifischer Gesundheitsversorgung und zur Vornamens- und/oder Personenstandsänderung.

Die COVID-19-Pandemie und Kontaktbeschränkungen erhöhen das Risiko für unter anderem trans* Menschen, verbale und physische Gewalt zu erfahren, beispielsweise, wenn sie mehr Zeit auf engem Raum mit Bezugspersonen wie Eltern oder Partner*innen, die sie in ihrem Trans*-Sein nicht akzeptieren, verbringen müssen, wenn sie finanziell abhängiger werden oder wenn sie wohnungslos sind. Während für viele trans* Menschen die psychischen und emotionalen Belastungen steigen, ist der Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten häufig erschwert, was möglicherweise Suizidgedanken verstärken kann. Wenn ihr auf der Suche nach Trans*beratungs- und Selbsthilfeangeboten in NRW seid, die euch auch im Moment unterstützen können, meldet euch gern per Mail an info@ngvt.nrw. Wenn ihr Suizidgedanken habt und euch vorstellen könnt, darüber zu sprechen, könnt ihr jederzeit unter der Nummer 0800-1110111 anonym eine Telefonseelsorgestelle erreichen.

All dies zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen und stärken und dass wir weiterhin im Alltag, auf der Straße und in der politischen Interessenvertretung für Anliegen von trans* Menschen kämpfen. Trans*feindlichkeit tötet. Das muss endlich aufhören! Lasst uns gemeinsam Trans*feindlichkeiten benennen und ihnen unsere Trans*-Solidarität entgegensetzen!

TDoR-Veranstaltung in Düsseldorf auf 2021 verschoben

Die für den 21. November 2020 geplante Veranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf wird auf das nächste Jahr verschoben. Dort sollten – COVID-19-bedingt in kleinen Gruppen – Gedenk- und Empowermentangebote sowie Führungen zur Verfolgung und zum Widerstand von trans* Menschen stattfinden. Durch die Verschärfung der Pandemiesituation und der Schutzmaßnahmen ist dies nun nicht möglich und wir freuen uns darauf die Veranstaltung 2021 umzusetzen. Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Stadt Düsseldorf, der Trans*beratung Düsseldorf, des Jugendzentrums PULS, der Trans*-Gruppe Gendertreff, des NGVT* NRW e.V. und der Landeskoordination Trans* NRW.

Gedenken und Fahnenhissen an städtischen Gebäuden

In einigen Städten wurde heute anlässlich des TDoR eine Fahne an städtischen Gebäuden gehisst, so in Dortmund und in Düsseldorf.

Auf dem Foto seht ihr beim Fahnenhissen in Dortmund Natascha Zimmermann aus dem NGVT*-Vorstand, den Oberbürgermeister Thomas Westphal und Susanne Hildebrandt von der Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente der Stadt Dortmund (von links nach rechts).

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