/Binäres Geschlechtermodell / Zweigeschlechtermodell

Das binäre Geschlechtermodell bzw. das Zweigeschlechtermodell beruhen auf der Annahme, es gäbe ausschließlich die zwei Geschlechter „Mann“ und „Frau“ bzw. nur Männer und Frauen seien die geschlechtliche Norm. Auf Grundlage dieser Annahme gibt es Männer- und Frauentoiletten, Damen- und Herrenmode, Herren- und Damenteams im Sport, die auch in eigenen Herren- und Damenligen spielen. Menschen, die sich außerhalb dieser Zuordnung bewegen – wie inter* und/oder nicht-binäre Personen – haben nicht den Zugang zu diesen klar geschlechtlich getrennten Angeboten, werden nicht benannt und mitgedacht und werden damit ausgeschlossen bzw. müssen sich falsch zuordnen.

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/Cis / Cisgeschlechtlich

Cis(geschlechtliche) Personen sind Menschen, deren Geschlechtsidentität bzw. Geschlecht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das für sie bei Geburt festgestellt wurde. Eine cis Frau ist also eine Person, für die bei der Geburt das weibliche Geschlecht dokumentiert wurde und die sich auch als Frau identifiziert, ein cis Mann entsprechend eine Person, für die bei der Geburt das männliche Geschlecht dokumentiert wurde und die sich auch als Mann identifiziert.

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/Coming-out

Der Begriff „Coming-out“ (wörtlich übersetzt „Herauskommen“) hat seine Wurzeln im englischen Sprachraum. Es ist abgekürzt aus der Redensart „coming out of the closet“ – „aus dem Schrank kommen“. Dieser Schrank symbolisiert die Enge und das Eingesperrtsein in den Normen einer Gesellschaft, die Heterosexualität, Cisgeschlechtlichkeit und das binäre Geschlechtermodell als einzig mögliche Lebens- und Liebensmodelle betrachtet.

Coming-out meint damit also den Schritt, die eigene sexuelle oder geschlechtliche Identität zu leben und sich anderen Menschen zu zeigen. Hierbei wird zwischen dem inneren und dem äußeren Coming-out unterschieden.

Das innere Coming-out beschreibt den Vorgang, sich selbst als die Person zu erkennen und anzunehmen, die man ist. Es ist das Ende eines oftmals langen Prozesses der Selbsterkenntnis. Das äußere Coming-out ist der Schritt, sich gegenüber anderen Menschen als die Person zu zeigen, die man ist. Oft ist dieses Coming-out mehrschrittig. Meist öffnen sich Menschen zunächst sehr nahen Personen wie der Familie oder engen Freund*innen gegenüber und dann nach und nach auch gegenüber anderen Menschen. Für die meisten lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und weiteren Menschen, die nicht den beschriebenen gesellschaftlichen Normen entsprechen, ist es ein großer Schritt, „es“ den Eltern, dem Freund*innen-Kreis oder dem kollegialen Umfeld zu sagen – eine Entscheidung, die oft Mut erfordert.

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/Deadname / alter Name

Als „Deadname“ bezeichnet man im englischen Sprachraum den Namen, den eine Person mit der Transition abgelegt hat. Im Deutschen gibt es hierfür keine spezielle Bezeichnung und es wird neben „Deadname“ einfach „alter Name“ gesagt. Nicht alle trans* Menschen ändern ihren Vornamen.

Viele trans* Personen möchten nicht, dass ihr alter Name genannt wird. Mit dem alten Namen können eine Menge an Emotionen, Verletzungen und Traumata verbunden sein. Zudem bezeichnet der alte Name möglicherweise eine Person, die es so nie wirklich gab.

Die Nutzung des Deadnames in Anwesenheit anderer Leute, die den alten Namen nicht kennen, kann auch als Outing bezeichnet werden.

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/Dyadisch

Dyadische Menschen haben Körper, die von der Medizin in die Kategorien männlich oder weiblich eingeordnet werden. Es handelt sich also um Menschen, die nicht inter* sind. Eine weitere Bezeichnung ist endogeschlechtlich.

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/FTM / F2M

FTM bzw. F2M bedeutet „Female to Male“ und ist damit die englischsprachige Variante von FzM.

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/Gender-Sternchen

Das Gender-Sternchen * (auch Gender-Star genannt) wird ebenso wie der Unterstrich _ (auch Gender-Gap genannt) als Platzhalter für alle Geschlechter neben „weiblich“ und „männlich“ verwendet. Es adressiert so unter anderem nicht-binäre Personen und weist auf die Vielfalt der Geschlechter hin.

Ausgesprochen wird das Gender-Sternchen wie der Gender-Gap durch eine hörbare, kurze Pause zwischen den vom Stern getrennten Wortteilen. Beispiele zur Verwendung sind „Sportler*in“ und „Schüler*innen“.

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/Geschlechtliche Identität

Das innere Wissen und/oder Gefühl, weiblich, männlich, trans*, inter*, zwischen den Geschlechtern, jenseits der Geschlechter, weder-noch usw. zu sein – das ist die geschlechtliche Identität.

Die Geschlechtsidentität ist unabhängig vom Körper. Cis Personen gehen häufig davon aus, dass beides automatisch zusammengehört (zum Beispiel, dass ein Mensch mit einem Körper, der von seinem Umfeld als „männlich“ eingeordnet wird, auch ein Mann ist). Dies ist jedoch nicht der Fall.

Im Juni 2011 verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat eine Resolution, wonach niemand wegen der eigenen Geschlechtsidentität (gender identity) verfolgt und diskriminiert werden darf.

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/Geschlechtliche Vielfalt

Dieser Begriff beschreibt die Vielfalt, die über das etablierte Zweigeschlechtersystem hinaus existiert. Darunter fallen jegliche Formen der selbstbestimmten geschlechtlichen Zuordnung, also beispielsweise trans* Frauen, cis Frauen, trans* Männer, cis Männer, nicht-binäre Personen, genderqueere, genderfluide Menschen, inter* Personen und viele mehr.

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/Geschlechtsangleichung / Geschlechtsangleichende Operation

Als „Geschlechtsangleichung“ oder „geschlechtsangleichende Operation“ (gaOP) bezeichnet man einen medizinischen Eingriff, der den Körper optisch und in gewissem Umfang auch funktional dem Geschlecht angleicht, welches die Person im Sinne ihrer geschlechtlichen Identität hat. Zu möglichen geschlechtsangleichenden Maßnahmen gehören die Angleichung des primären Geschlechtsorgans (Vagina, Penis), die Mastektomie (Brustabnahme), den Brustaufbau, die Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) und die Gesichtsfeminisierung.

Der umgangssprachliche Begriff „Geschlechtsumwandlung“ ist irreführend, da die trans* Person auch vor dem Eingriff das Geschlecht hatte, zu welchem hin sie sich nun körperlich angleichen lässt.

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/Hormontherapie

(weitere Bezeichnungen: gegengeschlechtliche Hormontherapie, Hormonersatztherapie, HET, HRT)

Bei der Hormontherapie werden die gewünschten, sogenannten „gegengeschlechtlichen Hormone“ (was angesichts der geschlechtlichen Vielfalt eine unangemessene Bezeichnung ist) eingenommen, um eine „Vermännlichung“ der Körpers, beispielsweise Stimmbruch und Bartwuchs, oder eine „Verweiblichung“ des Körpers, so zum Beispiel eine Veränderung des Hautbildes, Brustwachstum, etc., zu erreichen. Manchmal werden zu Beginn zusätzlich Mittel verabreicht, die gleichzeitig die Produktion des eigenen, falschen Hormons unterbinden, um die „Vermännlichung“ bzw. „Verweiblichung“ zu beschleunigen.

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/Inter* / Intergeschlechtlichkeit

Der Begriff „inter*“ bezeichnet Menschen, deren angeborene genetische, hormonelle oder sonstige körperliche Geschlechtsmerkmale weder ausschließlich „männlich“ noch ausschließlich „weiblich“ sind.

Die Merkmale können gleichzeitig typisch für diese beiden binären Geschlechter oder nicht eindeutig für eines von diesen Geschlechtern sein. Das kann sich in den sekundären Geschlechtsmerkmalen (z.B. Muskelmasse, Haarverteilung, Brüste und Statur) zeigen, in den primären Geschlechtsorganen (Fortpflanzungsorgane und Genitalien) und/oder in chromosomalen Strukturen und Hormonen.

Sehr problematisch ist, dass inter* Menschen nach wie vor pathologisiert werden, das heißt, sie gelten als „krank“ oder „abnorm“. Immer noch unterliegen inter* Menschen Eingriffen (insbesondere durch Hormone und Operationen) ohne ihre Einwilligung, da diese oftmals im Kindesalter vorgenommen werden. Eine medizinische Notwendigkeit besteht jedoch meist nicht, denn häufig sind inter* Personen völlig gesund. Sie können allerdings später schwer an den psychischen und physischen Folgen der ärztlichen Eingriffe leiden.

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/Intersexuell / Intersexualität

„Intersexuell“ bzw. „Intersexualität“ ist ein ursprünglich medizinischer Sammelbegriff, der betont, dass es bei der Ausbildung der menschlichen Geschlechtsmerkmale viele Zwischenstufen zwischen „weiblich“ und „männlich“ gibt.

Der Begriff Intersexualität wurde 1915/16 von dem Genetiker Richard Goldschmidt geprägt. 2006 wurde er im medizinischen Sprachgebrauch international durch DSD (engl.: „disorders of sex development“ = „Störungen der geschlechtlichen Entwicklung“) ersetzt. DSD suggeriert mit dem Begriff „Störung“, dass einige Variationen menschlicher Körper „normaler“ und somit wünschenswerter seien als andere. Körper, die diese Norm nicht erfüllen, gelten aus dieser Perspektive als „untypisch“ oder „gestört“.

„Intersexuell“ wird heute noch von vielen intergeschlechtlichen Menschen als (neutrale) Selbstbezeichnung verwendet. Andere lehnen den Begriff allerdings ab, weil sie sich durch ihn pathologisiert fühlen. Ebenso kann durch das Suffix „sexualität“ im Deutschen das Missverständnis entstehen, dass es sich wie beispielsweise bei Homo- oder Bisexualität um eine sexuelle Identität handeln würde. Deswegen werden oft lieber die Begriffe „inter*“, „Intergeschlechtlichkeit“ oder „Zwischengeschlechtlichkeit“ verwendet.

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/LSBTIQ*

Diese Buchstabenkombination steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans*, Inter* und Queer und fasst somit sexuelle und geschlechtliche Identitäten zusammen, die nicht der derzeitigen gesellschaftlichen Norm entsprechen. Neben LSBTIQ* werden auch andere Varianten wie LSBTTIQ, LSBTIQA o.ä. verwendet. Dies hat den Grund, dass unterschiedliche Menschen Begriffe und Bezeichnungen unterschiedlich definieren oder weitere Identitäten explizit mit einschließen möchten.

Oft wird auch „queer“ als Sammelbegriff für die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt jenseits der vorherrschenden Norm verwendet.

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/MTF / M2F

MTF bzw. M2F bedeutet „Male to Female“ und ist damit die englischsprachige Variante von MzF.

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/MzF / FzM

Statt „trans* Frau“ oder „trans* Mann“ wurden früher häufig die Begriffe „MzF“ (Mann-zu-Frau) und „FzM“ (Frau-zu-Mann) verwendet. Auch heute werden sie teilweise noch benutzt.

Sie stehen allerdings in der Kritik, weil sie vermitteln, dass die Personen vorher auch tatsächlich ein Mann bzw. eine Frau waren und dann wechselten. Dies ist jedoch in den Augen der meisten trans* Personen nicht der Fall. Vielmehr wurde für sie bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale das falsche Geschlecht dokumentiert und ihr tatsächliches Geschlecht war in der Außenwahrnehmung vor dem Coming-out für andere Menschen nicht sichtbar. Entsprechend ist beispielsweise der Begriff „trans* Frau“ ein Begriff, der die Perspektive der trans* Person selber einnimmt (da hier das richtige Geschlecht – Frau – verwendet wird), während MzF eher die Außenperspektive einnimmt und einen „Geschlechtswechsel“ zeichnet.

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/Nicht-binär

Nicht-binäre Menschen haben ein Geschlecht, das in das binäre Geschlechtermodell nicht passt, weil sie nicht, nicht ganz oder nicht immer „männlich“ oder „weiblich“ sind.

Oft werden auch der englische Begriff „nonbinary“ und das Substantiv Enby (abgeleitet von „nb“ für „nonbinary“) verwendet. Nicht-binär ist ein Überbegriff für verschiedene Geschlechter. Manche nicht-binäre Menschen haben ein Geschlecht „zwischen männlich und weiblich“, manche verorten sich völlig unabhängig von diesem Zweiersystem und manche erleben ihr Geschlecht als fließend (genderfluid), d.h. nicht dauerhaft festgelegt.

Die Geschlechtsidentität bzw. das Geschlecht ist wie bei allen anderen Menschen unabhängig davon, wie der Körper der Person aussieht, welcher Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde steht oder welche(n) Vornamen die Person hat. Viele nicht-binäre Menschen bezeichnen sich als trans*; dies trifft jedoch nicht auf alle zu.

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/Outing

Im Gegensatz zum Coming-out, bei dem Menschen selbstbestimmt darüber entscheiden, wann sie „herauskommen“ und gegenüber wem, ist das „Outing“ fremdbestimmt. Hierbei sind es andere Personen, die öffentlich äußern, dass eine Person beispielsweise schwul, lesbisch, bisexuell, trans* oder inter* ist und das ohne die Zustimmung dieser Person.

Ein Outing kann auch lange nach dem eigenen Coming-out erfolgen. Zum Beispiel kann ein trans* Mann ein so gutes Passing haben, dass er im alltäglichen Leben nicht als trans* wahrgenommen wird. Da er nicht darüber spricht, wissen seine neuen Bekanntschaften und Freund*innen nicht, dass er trans* ist und es kann sein, dass er nicht möchte, dass er als trans* gesehen wird. Wird nun von einer langjährigen Bekanntschaft vor seinem neuen Umfeld erwähnt, dass er trans* ist, ist auch dies ein Outing.

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/Passing

„Passing“ bedeutet, als das Geschlecht wahrgenommen zu werden, das der eigenen Identität entspricht. Dies kann für trans* Menschen eine große Bedeutung haben, sowohl für ihr Selbstbewusstsein als auch für ihre Sicherheit, wenn ein Passing sie vor Gewalt schützt. Für Personen außerhalb des binären Geschlechtermodells ist Passing meist allerdings keine Option.

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/Stealth / Deep Stealth

Wenn eine trans* Person ein so gutes Passing erreicht, dass in einer neuen Umgebung niemand erkennt, dass sie jemals transitioniert hat und es die Person dort auch nicht selbst thematisiert, sagt man, dass diese Person dort „stealth“, also „unerkannt“ lebt.

Wenn jemand wiederum „deep stealth“ lebt, dann bedeutet dies, dass diese Person nach beendeter Transition ihr bisheriges Umfeld hinter sich lässt, manchmal sogar jeglichen Kontakt dahin abbricht und in eine neue Umgebung wechselt. Dort weiß niemand darüber Bescheid, dass diese Person einmal eine Transition durchlaufen hat. Sie wird von allen als cis Person wahrgenommen und sie möchte vermeiden, dass irgendjemand erfährt, dass sie trans* ist bzw. eine trans* Vergangenheit hat.

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/Trans*

Trans* Menschen haben ein anderes Geschlecht als das, was zunächst von anderen Personen als ihr Geschlecht angenommen wurde. Unter den Begriff „Trans*“ fasst das NGVT* NRW alle Formen der geschlechtlichen Vielfalt, die nicht cis sind. „Trans*“ ist damit in dieser Verwendung ein Sammelbegriff für Transsexuelle, Transidente, Transgender, nicht-binäre, genderqueere, genderfluide und alle anderen Personen, die sich nicht als cis bezeichnen. Hierbei wird keine Perspektive dahingehend vorgegeben, ob Geschlecht beispielsweise körperliche und/oder identitäre Ursachen hat oder ob die geschlechtliche Verortung permanent ist. Im Fokus steht vielmehr die Tatsache, dass alle unter den Begriff fallenden Personen sich nicht als cis wahrnehmen, also nicht cis sind.

Da es innerhalb der Communitys von transgender, transsexuellen, transgeschlechtlichen und trans* Menschen viele unterschiedliche Identitäten gibt, gibt es auch keine einheitliche Verwendung von Begriffen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Selbstbezeichnung von Menschen zu achten. Wenn also ein Mensch beispielsweise transsexuell ist und sich auch so bezeichnet, ist es nur respektvoll, auch genau diese Bezeichnung und keine andere zu benutzen, wenn mit dieser Person oder über sie gesprochen oder geschrieben wird. „Trans*“ wird entsprechend verwendet, wenn die Selbstbezeichnung einer Person „trans*“ ist oder wenn die Selbstbezeichnung der Person nicht bekannt ist.

Wird „trans*“ zur Beschreibung einer Person verwendet, schreibt das NGVT* NRW das Wort getrennt von der Person und klein. Bei der häufig verwendeten zusammengeschriebenen Schreibweise kann der Eindruck entstehen, dass bspw. ein „Transmann“ etwas anderes wäre als ein „Mann“. Aus diesem Grunde verwendet das Netzwerk in diesem Falle trans* als ein Adjektiv, das die Person genauer beschreibt (s. trans* Mann / trans* Junge sowie trans* Frau / trans* Mädchen ). Damit wird unterstrichen, dass trans* Männer Männer sowie trans* Frauen Frauen sind. Wird „trans*“als Substantiv verwendet (z.B. „Alles zum Thema Trans*“), schreibt das NGVT* NRW das Wort groß.

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/Trans* Frau / trans* Mädchen

Als trans* Frau bezeichnet man eine Person, für die bei der Geburt das männliche Geschlecht festgestellt wurde, aber die eigentlich weiblich ist und nun auch so lebt. Spricht man von jugendlichen Personen, wird stattdessen die Bezeichnung trans* Mädchen verwendet.

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/Trans* Mann / trans* Junge

Als trans* Mann bezeichnet man eine Person, für die bei der Geburt das weibliche Geschlecht festgestellt wurde, die aber eigentlich männlich ist und nun auch so lebt. Spricht man von jugendlichen Personen, wird stattdessen die Bezeichnung trans* Junge verwendet.

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/Transgender

Der Begriff „Transgender“ wird unterschiedlich verwendet. Einige bezeichnen Menschen als Transgender, deren Geschlechtsempfinden nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das für sie bei Geburt festgestellt wurde, und die sich nicht vollständig körperlich „angleichen“ lassen. Andere wiederum verwenden „Transgender“ als Überbegriff, ähnlich oder genau wie „trans*“.

Da jedoch „Transgender“ auch all diejenigen mit einschließt, die nicht den Weg einer körperlichen „Angleichung“ gehen, wird er auch oft als Abgrenzungsbegriff zu Transsexualität verstanden.

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/Transgeschlechtlich / Transgeschlechtlichkeit

Auch der Begriff transgeschlechtlich bzw. Transgeschlechtlichkeit wurde mit dem Ziel eingeführt, die Annahme, bei „transsexuell“ ginge es um eine sexuelle Orientierung bzw. sexuelle Identität zu entkräften. Der Begriff „Geschlechtlichkeit“ hebt heraus, dass es um die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht geht. Wen Menschen lieben und/oder begehren ist unabhängig von der eigenen geschlechtlichen Zuordnung. Trans* Personen können somit alle Varianten der sexuellen Orientierung bzw. Identität haben – sie können beispielsweise hetero-, homo-, bi-, pan- oder asexuell sein.

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/Transident / Transidentität

Der Begriff „Transident“ wurde eingeführt, um eine Verwechslung mit sexuellen Orientierungen bzw. sexuellen Identitäten zu vermeiden, was teilweise geschieht, wenn der Begriff „transsexuell“ verwendet wird.

Da das Suffix „ident“ die Perspektive einer identitären Ursache von Transgeschlechtlichkeit beinhaltet, einige Menschen aber eher eine körperliche Ursache sehen, sind nicht alle mit dem Begriff einverstanden. Entsprechend verwenden manche „transident“, andere wiederum „transsexuell“ oder andere Begriffe, um sich oder Transgeschlechtlichkeit zu beschreiben.

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/Transphobie / Transfeindlichkeit

Der Begriff Transfeindlichkeit bezeichnet Vorurteile, negative Einstellungen, Stigmatisierung, Abwertung, Verleugnung, Unsichtbarmachung, Befürwortung von Diskriminierung, Diskriminierung und Gewalt gegenüber (binären und nicht-binären) trans* Menschen bzw. Transgeschlechtlichkeit. Auch die Annahme, cis Menschen seien die Norm und trans* Menschen eine Abweichung davon (Cisnormativität) ist transfeindlich. Alltägliche, institutionelle und strukturelle Diskriminierungen von nicht-binären Menschen werden auch unter dem Nichtbinärfeindlichkeit zusammengefasst: Binäres Geschlechtermodell / Zweigeschlechtermodell.

Im Gegensatz zum häufig verwendeten Begriff „Transphobie“ weckt „Transfeindlichkeit“ nicht die unzutreffende Assoziation, ein zentrales Merkmal dieser Diskriminierung sei eine so genannte Angststörung.

In vielen Ländern der Welt sind trans* Menschen häufig Gewalt ausgesetzt. Das Projekt „Trans Respect versus Transphobia“ führt Statistiken zu Gewalttaten und Morden an trans* Menschen sowie zur sozialen und rechtlichen Situation in verschiedenen Ländern und macht diese u.a. auf Landkarten sichtbar: https://www.transrespect.org.

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/Transsexuell / Transsexualität

Transsexuelle sind Menschen, deren Geschlecht nicht dem für sie bei Geburt festgestellten Geschlecht entspricht und die den Wunsch haben, ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale mit chirurgischer bzw. medizinischer Hilfe teilweise oder ganz an ihr tatsächliches Geschlecht „anzugleichen“.

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/Transsexuellengesetz / TSG

Das Transsexuellengesetz – auch TSG genannt – ist 1981 auf Grundlage eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes verabschiedet worden, um trans* Personen die gesetzliche Möglichkeit zu geben, ihren Vornamen sowie ihren Geschlechtseintrag offiziell anpassen zu können. Neben den beiden Paragraphen, die sich mit der Änderung des Namens und des Geschlechtseintrags befassen, beinhaltet das Gesetz zusätzlich mit dem Offenbarungsverbot einen Schutz, dass es auf Wunsch der Person keine Möglichkeit geben darf, Rückschlüsse darauf zu ziehen, dass die Person einmal anders hieß und ein anderes Geschlecht für sie dokumentiert war.

Dies bedeutet, die durch das TSG erfolgten Änderungen haben nicht nur Einfluss auf neu ausgestellte Dokumente, wie einen neuen Reisepass, Personalausweis oder Führerschein, sondern ermöglichen auch die Änderung aller Einträge bis hin zur Geburtsurkunde. Auch Abschlusszeugnisse, Arbeitszeugnisse und andere Dokumente können mit Hinweis auf das Offenbarungsverbot angepasst werden, so dass auch bei Bewerbungen keine Verwirrung entsteht, wenn der Name der Person nicht mit den Namen auf dem Zeugnis übereinstimmt.

Seit es das Gesetz gibt, wurde es mehrfach aufgrund von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts geändert, da das Gericht mehrere Elemente als verfassungswidrig erklärt hatte. So gilt heutzutage für die Anwendung des Gesetzes nicht mehr die Altersgrenze von 25 Jahren, Ehen, die vorher bestanden, müssen nicht mehr geschieden werden und die Anrede muss bereits nach der Vornamensänderung dem richtigen Geschlecht entsprechen. Darüber hinaus waren bis 2010 eine operative Geschlechtsangleichung und der Nachweis der Unfruchtbarkeit zwingende Voraussetzung für die Personenstandsänderung.

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/Zwangsouting

Wenn eine Person auf Grund von äußeren Umständen in eine Situation kommt, in der sie offenlegen muss, dass sie trans* ist, wird dies „Zwangsouting“ genannt. Gerade während der Transition kommt dies häufig vor. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn eine EC-Karte auf den alten Namen ausgestellt ist und so die Person beim Bezahlen immer wieder dadurch geoutet wird, oder wenn die Krankenkassenkarte, der Personalausweis oder der Führerschein auf den alten Namen laufen und die Person gezwungen ist, diese Dokumente vorzulegen. Bei Personen, die beispielsweise ihren Vornamen nicht offiziell ändern lassen, hören diese Situationen nie auf.

Ein Zwangsouting kann auch noch lange nach einer Änderung des Namens und Geschlechtseintrags und/oder des Vornamens erfolgen. Wenn man ein Kind bekommt, wird beispielsweise zurzeit eine trans* Frau als Vater und ein trans* Mann als Mutter mit dem alten Namen in der Geburtsurkunde eingetragen.

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