Fachtag „Trans* Kinder und Jugendliche in (teil)stationären Hilfen“ am 3.11.2020

Der Fachtag

Die Fachstelle Queere Jugend NRW und die Landeskoordination Trans* NRW laden für den 3. November 2020 zu einem Fachtag zum Thema „Trans* Kinder und Jugendliche in (teil)stationären Hilfen“ ein. Der Fachtag findet online statt.

Der Fachtag vermittelt Hintergrundwissen und praxisnahe Anregungen zur Unterstützung und Begleitung von trans* Kindern und Jugendlichen in (teil)stationären Hilfen und in angrenzenden Unterstützungskontexten. Er richtet sich insbesondere an Fachkräfte aus der (teil)stationären Jugendhilfe, Zuständige im Allgemeinen Sozialen Dienst, Jugendpfleger*innen, Trägerstrukturen von (teil)stationären Hilfen, Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Trans*-(Peer-)Berater*innen.  

Der Fachtag wird aus Mitteln des Kinder- und Jugendförderplans des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert. 

Weitere Informationen können Sie dem Flyer zum Fachtag entnehmen, den Sie hier herunterladen können.

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Anmeldung

Die Anmeldung ist geschlossen. Falls Sie noch nicht angemeldet sind und Interesse an einer Teilnahme an den Plenarphasen (der Eröffnung, dem Einstiegsvortrag, dem Talk und der Podiumsdiskussion) haben, melden Sie sich gern bei den Organisator*innen unter fachtag[at]lako-trans.nrw.

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Dokumentation

Im Anschluss an den Fachtag wird eine Dokumentation veröffentlicht und an die Teilnehmer*innen versandt. Sollten Sie nicht am Fachtag teilnehmen, aber Interesse an der Dokumentation haben, schreiben Sie uns gern an fachtag[at]lako-trans.nrw.

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Programm

10:00-10:45 Uhr: Eröffnung, Grußworte und inhaltlicher Einstieg

10:45-11:35 Uhr: Einstiegsvortrag: Spezifische Herausforderungen von trans* Kindern und Jugendlichen (Moritz Prasse)

11:45-12:15 Uhr: Talk: Trans*spezifische Angebote aufbauen – Erfahrungen aus der Praxis (Madeline Doneit, Ilay Jahn & Esta Schwieters)

13:15-15:15 Uhr: Parallele Workshops:

Workshop 1: Coming-out ermöglichen und begleiten (Helix Große-Stoltenberg & Merit Kummer)

Workshop 2: Mehrfachdiskriminierung von Trans und Non Binary Jugendlichen in der Jugendarbeit (Shiva Amiri)

Workshop 3: Geschlechtliche Vielfalt kind- und jugendgerecht thematisieren (Atti Schmülling)

Workshop 4: Trans* und nicht-binäre Personen in der stationären Jugendhilfe (Sannik Ben Dehler)

Workshop 5: Rechtliche Aspekte (Katrin Niedenthal)

15:15-15:45 Uhr: Austausch zu den Workshops

16:15-17:15 Uhr: Podiumsdiskussion: Wie kann die Unterstützung und Begleitung von trans* Kindern und Jugendlichen in (teil)stationären Hilfen gelingen? (mit Shiva Amiri, Rodrigo Añez Parada, Sannik Ben Dehler, Nova Gockeln & Merit Kummer)

Moderation: Vincent Behringhoff

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Workshopbeschreibungen

Workshop 1: Coming-out ermöglichen und begleiten

Helix Große-Stoltenberg & Merit Kummer

Das Coming-out als trans*/nicht-binär/… ist bei den meisten Menschen mit Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung verbunden. Wenn sich ein junger Mensch Ihnen gegenüber outet, stellt dies einen Vertrauensbeweis dar, der Verantwortung mit sich bringt. Diskriminierungserfahrungen sind häufig und Unterstützung vor, bei und nach dem Coming-out kann lebenswichtig sein.

Dieser Workshop geht den folgenden Fragen nach:

  • Wie kann in (teil)stationären Hilfen ein Raum geschaffen werden, in dem junge Menschen Vertrauen haben sich als trans*/nicht-binär/… zu outen?
  • Wie kann ich junge Menschen, die sich mir und/oder anderen gegenüber als trans*/nicht-binär/… geoutet haben, unterstützen und begleiten?

Identitäten und Bedürfnisse von trans* Menschen sind vielfältig, ebenso wie die Transitionsmöglichkeiten. „Den einen Trans*-Weg“ gibt es nicht.

Es wird dazu eingeladen, eigene Erfahrungen und Fragen aus der Vor-Ort-Arbeit einzubringen.

Helix Große-Stoltenberg studiert in Köln Psychologie und arbeitet im rubicon in Köln in der Trans-Beratung. Helix hat sich vor einigen Jahren als nicht-binär geoutet – besser gesagt: zum ersten Mal vor einigen Jahren, und seitdem regelmäßig. Zum Beispiel jetzt gerade.

Merit Kummer ist im rubicon verantwortlich für Beratung, Fachberatung und Fortbildung zu geschlechtlicher Selbstbestimmung. Seit vielen Jahren begleitet und plant Merit Coming-out-Prozesse, bewundert immer wieder den Mut besonders bei jungen Menschen und freut sich, wenn es gut gelingt.

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Workshop 2: Mehrfachdiskriminierung von Trans und Non Binary Jugendlichen in der Jugendarbeit

Shiva Amiri

Im Workshop befassen wir uns mit (Diskriminierungs-) Erfahrungen und Perspektiven von Trans und Non Binary Jugendlichen. Besonders (BI*PoC) Trans und Non Binary Jugendliche werden in ihren Erfahrungen oft nicht ernst genommen und sehen sich, auch im pädagogischen Setting, nicht selten mit Pathologisierung und Rassifizierung konfrontiert. Gleichzeitig sehen sich Pädagog*innen oft überfordert und kommen schnell an ihre Grenzen. 

Im Kontext der pädagogischen Arbeit stellt sich die Frage, wie pädagogische Fachkräfte Trans und Non Binary Jugendliche in ihren Auseinandersetzungen, Erfahrungen und Kämpfen mit Diskriminierung und Stereotypisierung ernst nehmen und unterstützen können. Welche Perspektiven braucht für diese Auseinandersetzungen und wie hängt dies, mit der kritischen Reflektion der eigenen u.U. privilegierten Positionierung, zusammen? 

Shiva Amiri, M.A., Sozialwissenschaften, Empowerment- und Selbstverteidigungstrainer*in. Arbeitet zu Mehrfachdiskriminierung mit Jugendlichen und Erwachsenen, bietet Prozessbegleitung (Bereich: Rassismus/ critical whiteness/ Homo- und Transfeindlichkeit) und Intersektionale Organisationsentwicklung für Institutionen an. Langjährige Erfahrungen in der offenen Jugendarbeit in Frankfurt am Main.

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Workshop 3: Geschlechtliche Vielfalt kind- und jugendgerecht thematisieren

Atti Schmülling

Für Kinder und Jugendliche stellt geschlechtliche Identität ein konstituierendes Merkmal ihrer Persönlichkeitsentwicklung dar. Sie lernen seit frühester Kindheit, dass exakt zwei Geschlechter sozial akzeptiert sind und ihr Verhalten sanktioniert wird, sobald sie von der ihnen zugewiesenen Geschlechterrolle abweichen.

Im Workshop werden in Bezugnahme auf Methoden, Materialen und Erfahrungen Impulse gegeben, wie pädagogische Fachkräfte professionell mit Kindern und Jugendlichen über Geschlechterdiversität ins Gespräch kommen können. Über geschlechtliche Vielfalt zu reden und aktuell wirkmächtige geschlechtsspezifische Erwartungen zu hinterfragen, trägt nicht nur zur gesellschaftlichen Aufklärung bei, sondern unterstützt Kinder und Jugendliche aktiv in der Selbstbildung ihrer geschlechtlichen Identität und somit in ihrer individuellen Persönlichkeitsentwicklung.

Atti Schmülling (Pronomen: nin/er) arbeitet als stellvertretende Leitung in einem Dortmunder Jugendzentrum und als Teamkoordination von SCHLAU Gladbeck. Ehrenamtlich engagiert nin sich bei SCHLAU NRW (Antidiskriminierungsprojekt zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt). Atti verortet sich selbst als nicht-binär trans und setzt sich im Kontext der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie in schulischen Workshops regelmäßig mit Menschen im Alter von 6-23 Jahren über den Themenkomplex Geschlecht auseinander.

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Workshop 4: Trans* und nicht-binäre Personen in der stationären Jugendhilfe

Sannik Ben Dehler

In meinem Berufsalltag als Sozialarbeiter in einer Beratungsstelle für trans* und nicht-binäre Personen erlebe ich im Kontext von Fachkräfteberatungen die Fachkräfte häufig als aufgeschlossen und interessiert. Viele sind motiviert trans* und nicht-binäre Kinder und Jugendliche zu unterstützen, aber hinsichtlich der Umsetzung häufig verunsichert.

Im Workshop stehen Bedarfe von trans* und nicht-binären Jugendlichen an stationäres Jugendwohnen im Mittelpunkt. Ausgehend von diesen erarbeiten wir gemeinsam Unterstützungsmöglichkeiten und mögliche Herausforderungen für alle Beteiligten. Dazu nutzen wir praktische Beispielen, wie inneres und äußeres Coming Out, Vornamens- und_oder Pronomensänderungen oder juristische und medizinische Transitionsprozesse. Dabei freue ich mich mitgebrachte Fragen aus Ihrem jeweiligen Arbeitsfeld zu besprechen.

Sannik Ben Dehler war jahrelang in der queeren (auch stationären) Jugendhilfe tätig. Momentan arbeitet Sannik Ben in einer Beratungsstelle für trans* Personen, deren Angehörige und Fachkräfte in Berlin.

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Workshop 5: Rechtliche Aspekte

Katrin Niedenthal

Der Workshop „Rechtliche Aspekte“ unter der Leitung von Rechtsanwältin Katrin Niedenthal nimmt juristische Themen in den Blick, die in der Begleitung von trans* Kindern und Jugendlichen in (teil)stationären Hilfen von Relevanz sein können.

Behandelt werden Fragen wie die folgenden:

  • Wie läuft eine Vornamens- und/oder Personenstandsänderung ab?
  • Welche Altersgrenzen gibt es im Kontext einer Transition?
  • Was gibt es aus juristischer Perspektive hinsichtlich zweigeschlechtlich organisierter Räume (z.B. Wohngruppen) zu beachten? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Selbstverständlich sind Ihre Fragen herzlich willkommen.

Katrin Niedenthal ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Sozialrecht mit einer Kanzlei in Bielefeld. Sie war u.a. am Prozess um eine dritte Option beim Geschlechtseintrag bis zur wegweisenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts beteiligt. Gemeinsam mit Melanie Groß ist sie Herausgeberin des Sammelbandes „Geschlecht: divers. Die ‚Dritte Option‘ im Personenstandsgesetz – Perspektiven für die Soziale Arbeit“ (im Erscheinen, 2021).

Ein Kommentar

  • Ich arbeite als Sexualpädagogin viel mit Kindern und Jugendlichen zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Dennoch stoße ich in meinen Projekten immer wieder auf Widerstand und methodische Hürden. Ich freue mich auf einen angeregten Austausch und Inspirationen.

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